{"id":1232,"date":"2019-04-16T04:41:31","date_gmt":"2019-04-16T04:41:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bea.jetzt\/?p=1232"},"modified":"2024-09-06T08:21:33","modified_gmt":"2024-09-06T08:21:33","slug":"wie-ich-verlernte-tiere-zu-essen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bea.jetzt\/?p=1232","title":{"rendered":"Wie ich verlernte, Tiere zu essen"},"content":{"rendered":"\n<p>\u201eVeganer nerven. Sie sind w\u00fctend. Man versteht sie nicht. Aber nun verstehe ich sie doch. Sie sind so w\u00fctend, weil sie dieses Leid der Tiere sehen k\u00f6nnen. Weil sie Tag f\u00fcr Tag den Schmerz sp\u00fcren, den dieses Wissen und F\u00fchlen in einer Welt ausl\u00f6st, die sich nicht um dass Leid der Tiere schert. Ich versuche, mich in einen Veganer hineinzuversetzen.<br \/>\nIch stelle mir vor, wie ich immer wieder den Verzicht auf Tier anmahne und daf\u00fcr nur Spott und H\u00e4me ernte. Wie ich ausgelacht werde, weil ich Tiere vermenschlichen w\u00fcrde. Doch ein Veganer ist kein Romantiker. Er ist Realist. Er ist mehr Realist als wir. Wir sind die Romantiker, wir sind es, die an die heile Werbewelt glauben, an gl\u00fcckliche Tiere, an gr\u00fcne Wiesen. Wir sind die wirklichen Tr\u00e4umer. Und nur weil 75 Millionen etwas Dummes f\u00fcr Richtig halten, wird es dadurch nicht schlauer.<br \/>\nIch wollte den Mythos vom veganen Bessermenschen entzaubern. Was ich wirklich entzaubert habe ist der Mythos von sauberer Tierproduktion und heilem Tierkonsum. Veganer sind auch nur Menschen. Sie vertun sich genauso h\u00e4ufig im Ton wie andere. Doch ich verstehe auf einmal, da\u00df es ihnen gar nicht darum geht, sich \u00fcber andere zu stellen und den Bessermenschen raush\u00e4ngen zu lassen. Sie werden nur so verstanden. Doch sie sprechen nicht \u00fcber sich, sie sprechen vielmehr f\u00fcr f\u00fchlende und leidende Lebewesen, die sich nicht in die Diskussion einmischen k\u00f6nnen, die aber alles was sie haben hergeben m\u00fcssen f\u00fcr unser Wohlergehen: ihr ganzes Leben. Veganer und Tiersch\u00fctzer sind Anw\u00e4lte der Tiere. Ich sp\u00fcre auf einmal die Last, die auf deren Schulter liegt und dann bleibt ein Gef\u00fchl in mir stehen:<br \/>\nIch sch\u00e4me mich. Und das tut weh. Tage sp\u00e4ter recherchiere ich endlich, wie wichtig Tier f\u00fcr unsere Ern\u00e4hrung ist. Und ich erschrecke. Es gibt nicht eins, nicht ein einziges Argument F\u00dcR Fleischkonsum, das nicht entkr\u00e4ftbar w\u00e4re. Daf\u00fcr hunderte dagegen. Fleischerzeugung verbraucht bis zu zehnmal soviel pflanzliches Material wie als wenn Pflanzen direkt gegessen w\u00fcrden. Nahrung aus Massentierhaltung kommt vor allem aus Drittl\u00e4ndern. Vor allem Soja. F\u00fcr Soja wird Regenwald abgeholzt. Man sagt, da\u00df f\u00fcr einen Hamburger 4 m\u00b2 Regenwald weichen m\u00fcssen. Die ganze Landwirtschaft in dritte Welt-L\u00e4ndern wird zerst\u00f6rt. Die Folge ist Hunger. Millionen Menschen verhungern, weil wir nicht auf unser billiges Schnitzel verzichten wollen. Die Meere werden leergefischt, dar\u00fcber hinaus wird der Meeresgrund durch Schleppnetze unwiederbringlich vernichtet. Nur weil einmal ein Netz dadr\u00fcber rei\u00dft. Ich lerne, wie viel Schmerz auch Fische sp\u00fcren.<br \/>\nIch werde nie wieder Veganer und Tiersch\u00fctzer verspotten, denn ich verspotte damit nicht sie, sondern ich verspotte damit leidende Tiere und verhungernde Menschen. Ich verspotte damit den Regenwald. Ich verspotte damit die Zukunft unserer Kinder\u2026&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Aus &#8222;Wie ich verlernte, Tiere zu essen&#8220; von Marsili Cronberg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eVeganer nerven. Sie sind w\u00fctend. Man versteht sie nicht. 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